(Killer)spieler im öffentlichen Diskurs

Artikelbild

leidiges Thema

Langsam kann man es doch gar nicht mehr hören. Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht ein Politiker spezielle Computerspiele verbieten möchte. Selbstverständlich ist bald Wahlkampf, aber solche „Kamellen“ erneut herauszukramen, geht dennoch auch langsam an die Substanz. Zu allem Überfluss wurde in einer meiner letzten Vorlesungen bei Prof. Dr. Schorb, ein Medienpädagoge und Medienwissenschaftler aus Leipzig, das Thema erneut aufgegriffen.


Zunächst sollte man aber viel verwendete Begriffe definieren. Was ist überhaupt ein „Killerspiel“? Die Sozialpädagogin und Dozentin Elke Ostbomk-Fischer definiert es wie folgt: „Killerspiele“ sind spezielle Formen von Computerspielen, die darauf ausgerichtet sind, den Grundkonsens einer humanen Gesellschaft zu untergraben. Zu den wesentlichen Merkmalen von „Killerspielen“ gehört es, dass die Spielenden animiert werden, einzeln oder gemeinsam andere Menschen als Gegner oder Feinde wahrzunehmen, diese Menschen verächtlich zu machen, sie zu erniedrigen, zu foltern und zu töten, sowie ihre Lebensgrundlage zu zerstören.“

Sicherlich ist hierbei viel Wahres dran. Auch ich „unterstütze“ eine Verbreitung besonders brutaler Spiele nicht. Mir fällt in diesem Zusammenhang immer „Kingpin: Life of Crime“ ein. Bei diesem Spiel von 1999 ist es in der Tat möglich, einem Gegner Körperteile abzuschießen oder einen Leichnam zu verstümmeln. Diese Gewaltdarstellungen haben zudem keinen speziellen Spieleinfluss. Auf der anderen Seite könnte man aber auch argumentieren, dass es gewaltverherrlichend ist, wenn man auf einen Gegner schießt und dieser „einfach nur tot umfällt“. Wie soll man dann die Konsequenzen seines Handelns sehen? Außerdem sind solche Spiele doch tatsächlich nur für Erwachsene zugänglich! Und wenn Jugendliche diese Art von Spielen „daddeln“ können, dann ist dies doch nicht die Schuld des Herstellers, sondern die der Eltern? Bei Filmen verhält es sich doch genauso. Auch hier gibt es echt grausame Varianten dieser Regiekunst, aber diese stehen nicht im Fokus der Politiker. Damit ist einfach viel zu viel Geld zu verdienen und gerade „Spiele“ verstehen doch die Wähler ab 50 Jahren nicht mehr so sehr. Dies soll nicht bedeuten, dass es keine „älteren“ Spieler gibt, aber diese beschäftigen sich, meiner Erfahrung nach, weniger mit den Kontexten bzw. dem Umfeld. Auf der anderen Seite sollte man sicherlich auch bei Spielen eine Grenze ziehen, man muss auch virtuell nicht alles machen können! Von Seiten der Politiker werden leider meist sehr eigenwillige Parallelen zwischen Killerspielen und anderen Genres hergestellt. So haben Verantwortliche einiger öffentlich Rechtlichen Sendern bereits WOW (World of Warcraft) als solches Spiel bezeichnet, was schlichtweg nicht korrekt ist.